Ein Tag mit dem BMW i3.

Ich fahre aktuell einen BMW 2er Coupe (220D). Während mein 2er in der Werkstatt war und seine neuen LCI Rückleuchten bekommen hat, fragte ich einen Elektrowagen bei BMW an und man stellte mir einen i3 für den Zeitraum zur Verfügung. Hier mein Erfahrungsbericht und ein Fazit auch zu aktuellem Thema „Diesel-Gate“.

 

Datenblatt. Preise.

BMW bietet zwei reine Elektrofahrzeuge an – den i3 und den i8. Der BMW i3 (Leergewicht: 1.320 kg) mit dem schwächsten Motor (125 KW/170 PS), einer 94 Ah Batterie* und einem Verbrauch von 13,6-13,1 kWh startet bei einem Preis von 37.550 € (Preisliste März 2018). Er hat eine elektrische Reichweite (Gesamtreichweite im Alltagsbetrieb) von 290-300 KM**. Es wird noch ein stärkeres Modell mit 135 KW/184 PS angeboten (ab 41.150€). Bei beiden Motoren ist es möglich einen Range Extender (Rex) hinzuzukaufen – also auf gut Deutsch einen „Reichweitenverlängerer“. Dabei handelt es sich um einen wassergekühlten Zweizylinder-Benzinmotor, der, wenn sich die Ladung der Batterie dem Ende neigt, anspringt und diese wieder auflädt. Mit dem 9-Liter-Tank soll eine zusätzliche Reichweite von etwa 120 bis 150 km gewonnen werden. Dieser Motor ist ausschließlich zum Laden der Batterie da, angetrieben wird das Auto ausschließlich vom Elektromotor, ansonsten würde es sich um einen Hybrid handeln. Für diesen Hilfsmotor veranschlagt BMW einen ungefähren Aufpreis von 4000 €.

 

Der Vollständigkeit halber und für die Auto-Enthusiasten unter euch, die gerne etwas mehr ausgeben; der i8 Coupé mit 275 KW/374 PS startet bei 138.000 € - also ein wahrer Schnapper.

 

Die weiteren Ausführungen beziehen sich immer auf den i3 mit dem 125KW Motor ohne Rex.

Mehr Infos:

https://www.bmw.de/content/dam/bmw/marketDE/bmw_de/new-vehicles/pdf/BMW_i3_Preisliste.pdf.asset.1516115637086.pdf

 

* Zu Beginn betrug die Batterie 60Ah. Was positiv herauszustellen ist, dass BMW ein Retrofit-Programm anbot - auf Wunsch erfolgte kostenfrei der Tausch der Batterie.

** Die normierte und theoretische Reichweitenmessung nach dem Standard „Neuer Europäischer Fahrzyklus (NEFZ)“ von 1996 wird auf dem Rollenprüfstand ermittelt. Die dabei ermittelte Reichweite kann aufgrund optimierter Bedingungen deutlich über dem realen Wert liegen.

 

 

https://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/bmw-i/i3/2017/auf-einen-blick.html
https://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/bmw-i/i3/2017/auf-einen-blick.html

Die ersten Erfahrungen.

Als ich den Kleinen abgeholt habe, übergab mir die Dame den Wagen angeblich vollgeladen. Sie staunte selbst, als sie mir vollgeladene 160 KM mündlich zusicherte und mir das Display aber nur noch 120 KM zugestand. Es war zu diesem Zeitpunkt sehr kalt, und der i3 eine kleine Eiskugel – das Enteisen und die hierfür notwendige Heizung hatten ihm ordentlich Energie geraubt. Da ich keinerlei Erfahrung mit diesem Fahrzeug hatte und Sorge hatte, während der Fahrt stehen zu bleiben, fuhr ich mit meinem Eiskabinett ohne Gebläse weiter und gewann so die Kilometer zuürck. 

 

Der Schaltknauf befindet sich als Hebel am Lenkrad. Ständig greife ich noch zur Mittelkonsole ins nichts und auch die Stellung der Automatik ist mit R und D im Vergleich zu meinem Automatik-Knauf vertauscht, aber das ist alles reine Gewöhnungssache. Ebenfalls neu ist die starke Motorbremse, es ist kaum noch notwendig die Bremse zu betätigen. Geht man vom Gas erfolgt die Energierückgewinnung und man wird gerade zu an die Frontscheibe gepresst. Tatsächlich erleuchten dann aber auch die Bremslichter - gefühlt hätte ich sonst jede zweite Auto auf meinem Heck sitzen gehabt.

 

Das Gefühl.

Das Gefühl in diesem Auto – den anderen überlegen zu sein. Mit der Nasenspitze weit oben fuhr ich an all den stinkenden, altmodischen Fahrzeugen vorbei und mit jedem Meter schwoll die Brust weiter an, der Umwelt Gutes zu tun – oh, oh hatte sich dort etwa der Öko in mir gemausert? ;-)

 

Die Geräuschkulisse.

Insgesamt hätte ich angenommen, der Wagen sei leiser. Die Abrollgeräusche sind doch sehr laut und mein inzwischen sehr gut gedämmter Diesel lässt auch kaum wirklich mehr Geräusche zu. Die immer wieder auftauchenden Kamikaze-Anfälligen Menschen an dem Tag, scheinen ihn nicht wahrzunehmen. Denn immer wieder gehen mir die Leute nicht aus dem Weg oder überqueren unnachsichtig die Straße – das passiert mir mit meinen 2er "Traktor" sonst nicht. Das leichte Suren beim Beschleunigen klingt irgendwie cool und inzwischen drehe ich absichtlich die Musik ab, um den ungewohnten Geräuschen des Wagens zu lauschen.

 

Unterschätzt!

Aber auch auf der Straße scheint das Gefährt nicht den genügenden Respekt zu bekommen und da bin ich anderes gewohnt. Es wirkt, als würden viele ihn unterschätzen, dabei benötigt der Kleine 7,3 Sekunden von 0 auf 100 ohne Zugkraftunterbrechung und lässt schon mal den einen oder anderen Verbrenner staunend hinter sich! (max. Drehmoment 250 NM). – Ich bin beeindruckt!

Bei 150 ist allerdings Schluss – aus Effizienzgründen.[1]

 

 

Exterieur/ Interieur

Nachdem ich glücklich auf der Arbeit angekommen bin – konnte ich die Kollegen nur wenig mit meiner Begeisterung anstecken. Recht zwiegespalten sind die Meinungen.

Der ein oder andere geht an dem Wagen interessiert vorbei und schaut, während die Großzahl meiner Kollegen eher von der „Kiste des Grauens“ sprachen. ;-)  Aber da stehe ich drüber – irgendwie hat der Kleine es mir ein wenig angetan – ich stehe zu ihm.

Der i3 ist ein solides kleines Fahrzeug – im Innenraum wirkt er recht schick, viele der verarbeiteten Materialien stammen aus regenerativen Quellen – Nachhaltigkeit ist das Thema beim i3.

 

 


[1] https://www.springerprofessional.de/automobil---motoren/batterie/born-electric-bmw-i3-weltpremiere-in-new-york-london-und-peking/6562128?redirect=1

Dennoch fragt man sich immer ein wenig, auch in Bezug auf die Reaktion vieler, warum müssen die Elektrofahrzeuge wie lieblose Kinder im futuristischen Design eines Spaceshuttles auftrumpfen. Ich bin nun wirklich nicht Tessla begeistert, aber sind diese Designs doch ein wenig mehr ansprechend, weil sie mehr dem „üblichen“ Fahrzeugdesign entsprechen?

Tanken, wie jetzt?

Ohne sich vorher irgendwie richtig schlau gemacht zu haben, habe ich nach E-Tanksäulen gegoogelt. Eine befindet sich laut Internet bei den Stadtwerken Bielefeld. Dort angekommen, findet man die Säule nur mit Glück auf dem Parkplatzgelände. Eine Beschilderung fehlt völlig, zu dem ist die Säule mit einem Schlüssel abgeschlossen. Auf Nachfrage hin bei den Mitarbeitern, konnte niemand Auskunft geben, erst viele Minuten später erhielt ich eine Handynummer, da die einzige Person die zu einer Auskunft in der Lage war, gerade zu Tisch war – Ernsthaft liebe Stadtwerke? Zudem hat mir BMW lediglich einen Mode 2 Kabel mit dem Wagen ausgeliefert und auf Anfrage hin, war die Dame von BMW nicht in der Lage zu sagen, ob ein Mode 3 Kabel ebenfalls zur Verfügung steht. Sie kannte nur die Wallbox von BMW, bei der sich das Kabel anbei befindet.

Nachdem ich mich nun informiert habe, ist nun folgendes zum Tanken zu sagen:

Ein Zugang zum Ladenetz ermöglicht „Plugsurfing“. Es handelt sich um einen E-Mobility Service Provider. Über deren App oder einen Ladeschlüssel (kann für ca. 10 Euro bestellt werden) kann man den Ladevorgag an einer E-Säule starten. Die App installiert man auf seinem Smartphone, registriert sich und hinterlegt eine Zahlungsmethode z. B. Paypal. Anschließend kann man Ladesäulen suchen, und erhält u.a. Informationen wie die Anzahl der Säulen, der Preis und ob diese belegt sind. An solch einer Säule angekommen, startet man den Ladevorgang mittels App, in dem man auf den „Start Button“ klickt oder mittels QR Code der ebenfalls via App eingecannt werden kann. Die Abrechnung erfolgt jeweils am Monatsende und beinhaltet lediglich die Ladekosten, weitere Kosten für die App oder eine Grundgebühr fallen nicht an. Fast Charger können dabei erheblich teurer sein, die normalen Ladestationen (11-22KW) bewegen sich zwischen 0,30/kWh – 0,35/kWh. Aktuell gibt es auch noch die eine oder andere kostenfreie Ladesäule. Eine weitere wichtige Information ist der Steckertyp der angeschlossen werden kann.

 

 

Zahlen auf den Tisch. Wie lange dauert der Ladevorgang? …Welche Steckertypen gibt es eigentlich?

Das Aufladen ist abhängig von folgenden Punkten:

  • ·       Ladeleistung der Ladestation oder Steckdose
  • ·       Kapazität der Batterie
  • ·       Ladetechnik des E-Autos

Weitere Punkte die auf das Aufladen beeinflussen:

 

  • ·        Mit steigendem Akku-Ladestand nimmt das Ladetempo ab. Die letzten 20 bis 30 Prozent brauchen länger.
  • ·        Bei kalten, aber auch sehr heißen Temperaturen kann sich das Laden verlangsamen (ideal ist 15 bis 25 Grad       
  •          Außentemperatur) 
  • ·        Die Batterie kann wegen der Überspannungsgefahr nur bis 80 Prozent geladen werden

 

Die Ladedauer berechnet sich durch folgende Formel:

Kapazität der Batterie in Wattstunden/ Ladeleistung in Watt = Ladedauer

Da man bei BMW zunächst nur die Ah der Batterie in Erfahrung bringen kann, muss die Umrechnung auf kWh erfolgen. Die LithiumIonen-Zellen des BMW i3 (94 Ah) erreichen eine Kapazität von 33 Kilowattstunden (kWh) (3,75V x 94Ah x 96 = 33840 Wh oder 33,84 kWh)

 

Bei einer Ladekapazität von 33 kWh ergeben sich somit folgende Ladedauern:

2,3 kW - „Haushalts-Stecker“

14 Stunden

11 kW - Typ 2

3 Stunden

22 kW - Typ 2

1,5 Stunden

50 kW - CCS

0,7 Stunden

 

 

Man unterscheidet zunächst zwischen Mode 2 und 3 Ladekabel. Ein Mode 2 wird vom Autohersteller mitgeliefert und verbindet das Elektroauto mit der Haushaltssteckdose. Das Mode 3 Ladekabel verbindet das Elektroauto mit der Ladestation. Hier unterscheidet man zwischen Typ 1 und 2. 

Es gibt noch weitere Steckerarten z. B. für den Tessla, auf die ich hier nicht weiter eingehe.

 

Wen es interessiert - hier die Wallboxen von BMW:

https://charging.bmwgroup.com/web/360electric-de/home-charging

(Preis: ~1000 €)

 

Was sagt die Zukunft? Und mein Diesel?

Man mag die Nachrichten gar nicht mehr Einschalten, wenn man einen Diesel fährt. Ungerecht – das ist wohl das, was die meisten Dieselfahrer momentan empfinden. Der Diesel dominiert die Schlagzeilen und ist der Sündenbock schlecht hin. Ich bleibe zunächst einmal ruhig, denn ich vermute, dass nach dem Diesel und den Stickoxiden, als nächstes die Feinstaubwerte nicht mehr eingehalten werden und dann auch nunmehr der Benziner zur Rechenschaft gezogen wird. Ich vermute, dass mein 220d mein letzter Verbrenner gewesen sein wird, oder zumindest wird der nächste ein Hybrid. Schon vor dem 2er, der erst 2 Jahre alt ist, war ich vor dem Kauf an Elektrowagen interessiert und hätte einen Kauf in Erwägung gezogen, doch muss man leider sagen, ist die Infrastruktur hier in Deutschland sehr mau aufgebaut. Der i3 stellt für mich persönlich in Bezug auf Reichweite noch kein adäquates Ersatzfahrzeug da. Auch die Anzahl und Verteilung der Ladesäulen ist nicht ausreichend. Würden auf einmal alle zum Elektrofahrzeug wechseln, wäre der Supergau da, so viele Säulen stehen einfach nicht zur Verfügung und ob das Stromnetz dies aushalten würde, ist fraglich. Als ich das erste mal 2011 in den Staaten war, waren bereits in allen Parkhäusen E-Säulen vorhanden –  erschreckend: Deutschland hat da einfach verschlafen und wir baden es nun aus. In Bezug auf die Optik überzeugt mich bislang nur ein Tessla, und hier sind die Wartezeiten einfach unmöglich hoch.

Ich hoffe sehr, dass die Automobilhersteller, zur Verantwortung gezogen werden und die Umrüstkosten für die Diesel sollten einzig allein ihnen aufgebürdet werden. Mein 2er ist von der Dieselaffäre nicht betroffen, aber da man dem Diesel keine Zukunft mehr zusagt (obwohl neue KFZ weiterhin mit Dieselmotoren vorgestellt werden und sich Benziner in Bezug auf Feinstaub Ausstoß sich hinter diesen anreihen können), führt es für mich zu einem hohen Werteverlust. Wenn man den Politikern glauben schenkt (…) so wollen sie Dieselverbote möglichst vermeiden (phoenix, "der Tag" am 27.2), sich um die Nachrüstung kümmern, die Automobilindustrie zur Verantwortung ziehen und in erster Linie zunächst die Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs elektrifizieren. Einen Schaden sollte die Automobilindustrie, die trotz Dieselaffäre immer noch viel Gewinn macht – z. B. VW mit 11,4 Milliarden Euro Nettogewinn 2017[1], durch eine eigens finanzierte Nachrüstung nicht davon tragen. Eine Äußerung seitens Merkels steht aus – ich bin gespannt, ob sie auch dieses Mal versuch alles wieder auszusitzen oder aber eine Roadmap und Visionen äußert. In Bezug auf die aktuelle Situation finde ich, sollte es den Leuten überlassen werden, ob diese ihren Diesel unentgeltlich aufrüsten lassen wollen oder aber eine Prämie für ein neues Elektrofahrzeug erhalten möchten. Ob das Elektrofahrzeug die Technologie der Zukunft ist (in der Energiebilanz haben sie kaum Vorteile), oder doch Wasserstoff? - Lassen wir uns überraschen.

 


[1] https://www.focus.de/finanzen/news/trotz-abgas-skandal-volkswagen-hat-gewinn-2017-mehr-als-verdoppelt_id_8517714.html

 

 

Folgende Aufpreise sind noch interessant in Bezug auf die E Mobilität bei BMW:

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